Spuren der Vergangenheit unter unseren Füßen
Zwischen Geschäften, Cafés und belebten Straßen blieben wir
immer wieder stehen – vor kleinen, messingfarbenen Steinen im Boden. Was viele
Passanten im Alltag übersehen, erzählt bewegende Geschichten: die Schicksale
jüdischer Familien aus Göppingen, die im Dritten Reich verfolgt, deportiert und
ermordet wurden. Frau Haas stellte exemplarisch einzelne Familien vor und
machte deutlich, dass hinter jedem Namen ein Mensch, ein Leben und eine
Geschichte stand.

Uns wurde bewusst, dass diese grausamen Ereignisse nicht
irgendwo weit weg, sondern direkt vor unserer Haustür stattfanden. Die
Stolpersteine erinnern genau daran – und zwingen uns im wahrsten Sinne des
Wortes, innezuhalten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Führung war die Zerstörung der Göppinger Synagoge während der
Reichspogromnacht. Frau Haas schilderte anschaulich, wie das jüdische
Gotteshaus in Brand gesetzt wurde und welche Angst und Gewalt diese Nacht für
die jüdische Bevölkerung bedeutete.
Obwohl die Feuerwehr nur zwei Häuser entfernt war, war es
ihnen verboten zu löschen, sondern durften lediglich die anderen Häuser
schützen. Viele von uns waren überrascht, wie präsent diese Geschichte noch
heute im Stadtbild ist – auch wenn man sie oft nicht bewusst wahrnimmt. So
übersieht man schnell diesen Platz zwischen der Uhland-Realschule und dem
Freihof-Gymnasium.
Nach zwei intensiven Stunden endete die Führung, doch die
Eindrücke wirkten nach. Die Stolpersteine haben uns gezeigt, dass Erinnerung
nicht nur im Geschichtsbuch stattfindet, sondern mitten im Alltag. Wer durch
Göppingen läuft und genau hinschaut, begegnet der Vergangenheit – und trägt
Verantwortung dafür, dass sie nicht vergessen wird.
