+++Wir haben Sommerferien bis einschl. 10.09.2017+++Danke für Ihren Besuch auf unserer Seite +++ Start Schulwesen Rechbergh.

Die Entwicklung des Schulwesens in Rechberghausen
(aus: Karl Hornung: Heimatbuch Rechberghausen)

Schule um 1800
Urkundlich wird zwar schon im Jahr 1662 ein altes Schulhaus erwähnt, aber ältestes "Schulhaus" in Rechberghausen war nach den für die Schulgeschichte verwendbaren Unterlagen das Gebäude Kirchplatz 12 nördlich der katholischen Kirche. Hier war ein Klassenzimmer eingerichtet, in welchem gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Lehrer Johann Georg Staudenmayer unterrichtete. Sein Sohn Franz Xaver Staudenmayer betreute die Schule von 1805 bis 1846. Er betrieb nebenher noch das Schreinerhandwerk. Da damals der Schulbesuch noch freiwillig und die Schülerzahl recht gering war, konnte er von seinem schmalen Lehrergehalt allein nicht leben. Deshalb stellte er am 16. März 1818 den Antrag, dass ihm ein zweiter Allmandteil zugewiesen werde. Aber sein Antrag wurde von der Regierung abgelehnt.

Schule wird zweiklassig
Erst mit dem Volksschulgesetz des Jahres 1836 wurde der Schulbesuch zur Pflicht gemacht. Bereits 1839 führte man in Rechberghausen auf Antrag des damaligen Pfarrers Bolter auf freiwilliger Basis den Industrieunterricht (Handarbeit) ein. Der wachsenden Kinderzahl wegen trugen sich die Behörden mit dem Gedanken, der Gemeinde einen Lehrgehilfen zuzuweisen. Wegen der Raumnot und ihrer schlechten finanziellen Lage stellte sich die Gemeinde zunächst dagegen, aber im Jahre 1840 wurde die Volksschule doch zweiklassig. Die Bürger bezahlten damals ein Schul- und Mesnergeld von 24x. Anton Deibele von Rechberghausen wurde als Provisor angestellt. Den zweiten Schulraum richtete man in einem kleinen gemeindeeigenen Haus an der Südseite des alten Kirchleins ein und verwendete ihn für die Unterklassen bis zum Jahr 1906. Nachfolger Deibeles war der Provisor Josef Hofele, der bei der schlimmen Hochwasserkatastrophe am 12. Mai 1853 auf tragische Weise ums Leben kam. Weil das Geld in der Gemeindekasse nie ausreichte, erhielt die Gemeinde während der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts einen stets widerruflichen Staatsbeitrag von zunächst 40 fl bis zu einem Betrag von 800 Mark im Jahr 1900. Die jeweilige Gutsherrschaft stiftete zur Lehrerbesoldung 11 fl, 6 Scheffel Dinkel, 4 Scheffel Haber und 41/2 Klafter Holz. Diese Verpflichtung wurde allerdings später abgelöst.

Schul- und Rathaus
1877 wurde Hauswirtschaft zum Pflichtfach, das von 1901 bis 1935 ausschließlich Schwestern des Klosters Beute erteilten. Im Jahre 1856 brannte das alte Rathaus an der Hauptstraße 51 ab. An der gleichen Stelle wurde ein Jahr später ein neues Haus gebaut, das als Rat- und Schulhaus diente. Im Untergeschoss richtete die Gemeinde einen großen Schulsaal ein, wodurch das kleine Schulzimmer im Haus Kirchplatz 12 überflüssig wurde. Erster Lehrer im Schulhaus an der Hauptstraße war Xaver Vogelmann, der von 1846 bis 1890 als bedeutende Lehrerpersönlichkeit im Ort wirkte. 1883 wurde das Turnen Unterrichtsfach. 1895 richtete man eine Fortbildungsschule für die aus der Volksschule entlassene männliche und weibliche Jugend mit 80 Unterrichtsstunden im Jahr ein.

Dreiklassige Schule
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stiegen die Schülerzahlen stark an, so dass die Schule 1893 dreiklassig wurde. Die Gemeinde kaufte vom Ochsenwirt Johannes Kohnle die danebenliegende Scheune um 4430 Mark. In dem Gebäude Hintergasse 4 wurde dann der dritte Schulraum sowie eine Wohnung für den Unterlehrer eingerichtet. Die Ausbaukosten betrugen 10 000 Mark. Von 1906 an war es nur noch Lehrerwohnhaus.

Schulhaus in der "Baindt"
Die drei örtlich getrennten und viel zu klein gewordenen Schulräume ließen die Schulraumverhältnisse unerträglich werden. Wegen der Größe der Mittelklasse, die nur im Abteilungsunterricht geführt werden konnte, war der Gemeinde eine vierte Lehrerstelle zugesichert worden. Darauf beschlossen die bürgerlichen Kollegien im Juli 1904 den Bau eines neuen Schulhauses. Im damals noch kaum bebauten Gewann "Baindt" erstellte die Gemeinde zwischen den Herbsten 1905 und 1906 das Schulhaus mit sechs großen Klassenzimmern und einer Hausmeisterwohnung. Die festliche Einweihung, die sich zu einem Freudenfest für die ganze Gemeinde gestaltete, war am Kirchweihtag des Jahres 1906. Mit der Inbetriebnahme des neuen Schulhauses wurde die Schule vierklassig.

ges1Die heutige Grundschule, 1905/06 erbaut, im Rohbau

Steigende SchülerzahlenAls 1921 die Schülerzahl sogar auf 283 angewachsen war, errichtete man vorübergehend eine fünfte Lehrerstelle. Diese musste aber wegen der in der Nachkriegszeit stark zurückgehenden Schülerzahlen bereits 1924 wieder abgebaut werden. In den nächsten Jahren und über den zweiten Weltkrieg hinweg blieb die Schule vierklassig. Nach dem Kauf des Neuen Schlosses heutiges Rathaus richtete die Gemeinde im Obergeschoss drei Lehrerwohnungen ein.
In den ersten Nachkriegsjahren stieg die Schülerzahl um rund fünfzig Prozent an. So kam 1947 eine fünfte und 1948 eine sechste, ebenfalls dringend benötigte Lehrerstelle hinzu. Bei einer Hauptprüfung im Februar 1950 unterrichteten die sechs Lehrer 367 Schüler, während die durchschnittlichen Schülerzahlen im Kreis Göppingen 50 und in Nordwürttemberg sogar "nur" 42 betrugen. Dieses offensichtliche Missverhältnis führte dazu, dass man noch in diesem Jahr eine siebte Lehrerstelle errichtete. Das bisherige Lehrerzimmer wurde in einen kleinen Klassenraum umgewandelt und im Kellergeschoss ein Ausweichraum geschaffen. Doch die Schulraumverhältnisse blieben nach wie vor unbefriedigend.

Erweiterungsbau
Man entschloss sich zu einem Erweiterungsbau, zumal beim bisherigen Schulhaus reichlich Platz vorhanden war. Den modernen zweigeschossigen Anbau, der zwischen 1956 und 1958 entstand, ergänzte man durch eine Pausenhalle und ein Lehrschwimmbecken Das Obergeschoss erhielt neben drei Klassenräumen, dem Rektorat und dem Lehrerzimmer noch einen festlichen Musiksaal, das Untergeschoss eine Schulküche mit Unterrichtsraum, ein Naturlehre- und Handarbeitszimmer und eine kleine Gymnastikhalle. Im April 1959 bekam die Gemeinde eine achte Lehrerstelle genehmigt, 1961 wurde eine Konrektorenstelle eingerichtet und besetzt.
Infolge starker Bautätigkeit und vermehrten Zuzugs von auswärts wuchs die Bevölkerungs- und damit die Schülerzahl noch einmal stark an. Eine neunte, zehnte und elfte Klasse bis zum Schuljahr 63/64 waren die Folgen. Im Jahr darauf waren es sogar zwölf Klassen, die insgesamt neun wissenschaftliche Lehrkräfte unterrichteten. Die starken Unterklassenjahrgänge mussten durchweg in zwei Klassen aufgeteilt werden. Das Schulhaus war wieder einmal zu eng geworden.

ges2

Die heutige Grundschule wurde in den Jahren 1956 bis 1958 durch einen
zweigeschossigen Anbau und eine Pausenhalle mit Lehrschwimmbecken erweitert

Schulentwicklungsplan
Dazu kam, dass der Schulentwicklungsplan eine gründliche Schulreform mit sich brachte. Rechberghausen wurde Sitz einer Nachbarschaftshauptschule und sollte ursprünglich alle Hauptschüler der nördlichen Kreisgemeinden aufnehmen. Doch bemühte sich Wäschenbeuren mit Erfolg um eine eigene Hauptschule, und die Hauptschüler aus Birenbach wurden infolge eines zeitweiligen Trends zu einer Eingemeindung nach Göppingen dorthin in die Albert-Schweitzer-Schule gefahren. So kam es ab 1.12.1966 zunächst nur zu einer Nachbarschaftshauptschule mit den Gemeinden Börtlingen und Adelberg, wobei wegen der akuten Schulraumnot in Rechberghausen zwei Hauptschulklassen nach Börtlingen ausgelagert werden mussten.

Erste Planungen
Im Frühjahr 1965 führte man erste Besprechungen über einen Schulhausneubau und nahm mit vier Architekten Fühlung auf. Nach dem Schulentwicklungsplan und der Gemeindereform sollte Rechberghausen ein Schulzentrum mit zweizügiger Hauptschule, einzügiger Realschule und einer Sonderschule werden. Starke Widerstände verhinderten zunächst den Bau einer Realschule in unserer Gemeinde. Sie blieb aber weiterhin im Gesamtrahmen vorgesehen. Selbst die Hauptschule war eine Zeitlang umstritten. Man liebäugelte mit dem Gedanken, sie im Engenlauch auf Bartenbacher Markung zu errichten.

Geländekauf
Mit dem Kauf von etwa 3,5 Hektar Gelände in den Rappenäckern an der Hungerboll um 637 474,00 DM in den Jahren 1967 und 1968 schuf man die Voraussetzungen für den Bau einer Hauptschule und einer Sporthalle. Das Oberschulamt erteilte die Planungszustimmung und genehmigte das Raumprogramm für eine zweizügige Hauptschule mit den Gemeinden Adelberg und Börtlingen. Die Bemühungen uns die Realschule blieben auch in den nächsten Jahren ohne Ergebnis, dagegen kam am 1.12.1969 die Zustimmung des Kultusministeriums für die Sonderschule, die später wieder zurückgezogen wurde. Die Planung für die zweizügige Hauptschule und die Sporthalle, mit deren Bau zuerst begonnen wurde, konnte verstärkt weiterlaufen.

Gemeindeverwaltungsverband und Hauptschulbau
In die gleiche Zeit fallen die Bemühungen um die Bildung eines Gemeindeverwaltungsverbands mit den nördlichen Nachbargemeinden nach dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden. Dieser Verwaltungsverband Östlicher Schurwald, der Anspruch auf Sonderzuweisungen aus der kommunalen Finanzmasse hatte, kam am 1.1.1972 mit den Gemeinden Adelberg und Börtlingen zustande. Am 1.4.1972 schloss sich Birenbach dem Verwaltungsverband an. Auf den Abschluss der Gemeinde-reform konnte die Gemeinde Rechberghausen mit dem Bau der Hauptschule nicht warten. Aus eigener Kraft baute sie zu Beginn der siebziger Jahre die Hauptschule, die Anfang April 1972 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Die Planung und Bauleitung für Hauptschule und Sporthalle lag bei den Architekten Gaus und Unfried.

ges3Die 1972 ihre Bestimmung übergebenen Nachbarschafts-Hauptschule mit großzügiger Pausenfläche

Zusage des Kultusministeriums
Eine erhebliche Gefährdung für die Verwirklichung der Realschule in Rechberghausen stellte die Eröffnung einer "Außenstelle" der Schillerrealschule in Göppingen-Holzheim dar. Die Entlastung der beiden städtischen Realschulen musste schnell erfolgen; die Gemeindereform war noch nicht abgeschlossen. Die Gunst der Stunde in der Konkurrenz um die 3. Realschule im Großraum Göppingen schien sich gegen Rechberghausen zu wenden.
Am 4. September 1973 nahm die Außenstelle in Holzheim ihren Betrieb auf.
Trotz der klaren Aussage des Kultusministeriums, am Schulentwicklungsplan 1 (und damit an Rechberghausen) festzuhalten, verringerten sich sie Hoffnungen für den Nordbereich dies Landkreises. Die Verselbständigung der Realschule in Holzheim war dann auch nicht mehr aufzuhalten. Sie war auf zwei volle Züge im Jahr 1977 angewachsen. In einer Besprechung am 5. Mai 1977 auf dem Kultusministerium, an der alle Beteiligten vertreten waren, wurde u.a. vereinbart: "Die Planungszustimmung für die Errichtung einer Realschule in Rechberghausen wird aufrechterhalten. Die Einrichtung dieser Realschule kann jedoch erst für den Zeitpunkt vorgesehen werden,

- ab dem mindestens die Zweizügigkeit einer Realschule in Rechberghausen gewährleistet ist und
- das Raumangebot in der Stadt Göppingen für die Realschulen nicht mehr ausreicht.

Die Frage der Realschule in Rechberghausen ist deshalb dann wieder aufzugreifen, sobald in der Stadt Göppingen Baumaßnahmen für den Bedarf des allgemeinbildenden Schulwesens erforderlich werden.

"Vorläufer" Sprachheilschule
Nachdem klar war, dass die Stadt wie auch der Landkreis umfassende Schulneubauten anvisierten, stellte sich die Frage der Realschule erneut. In einer Besprechung am 8. November 1977, an der neben der Gemeinde Rechberghausen auch die Gemeinden Adelberg, Birenbach und Börtlingen beteiligt waren, wurde abschließend festgestellt, dass die Realschule derzeit nicht verwirklicht werden kann. Gleichzeitig wurde die Bereitschaft dies Verbandes zur Aufnahme der Sprachheilschule einschließlich des Kindergartens erklärt. Das öffentlich aufgegriffene Thema aus Anlass des Bürgermeisterwechsels am 1. Dezember 1977 löste Stellungnahmen des Schulamtes und Oberschulamtes aus, die diese Tendenz bestätigten. Daraufhin wurde dem Landkreis vom Gemeindeverwaltungsverband Östlicher Schurwald ein ausführliches und ausgewogenes Konzept für den Neubau der Sprachheilschule mit Sonderschulkindergarten beim Schulzentrum in Rechberghausen mit Schreiben vom 13. Februar 1978 vorgelegt. Im Grundsatz wollte Rechberghausen die Sprachheilschule gerne aufnehmen, auf die Realschule aber trotzdem nicht verzichten. Anlässlich des Kreisbesuches versprach der damalige Ministerpräsident Dr. Filbinger, den Wunsch Rechberghausens zu prüfen. Am 14. März 1978 stand es schwarz auf weiß in der NWZ: Stadt und Landkreis möchten ihre Schulraumprobleme auf dem alten Krankenhausgelände lösen (Pestalozzischule, Sprachheilschule).

Antrag auf Realschule
Nachdem die Schulraumprobleme der Kreisstadt nun für jedermann offenkundig waren, ging es "Schlag auf Schlag". Der Verwaltungsausschuss des Kreistags tagte am 7. April 1978 im Schulzentrum von Rechberghausen und ließ sich die Probleme erläutern. Dabei wurde deutlich, dass der Landkreis den Neubau der Sprachheilschule an zentraler Stelle in Göppingen einrichten wollte. Andererseits wurde volles Verständnis für die Bemühungen des Raumes um die Realschule geäußert. Mit Antrag vom 10. April 1978 wurde der Landkreis gebeten, die Schulprobleme in Rechberghausen mit in die Entscheidung einzubeziehen. Am 12. April 1978 stellte der Gemeindeverwaltungsverband den Antrag an den Kreistag, keine Entscheidung über die Verwendung des alten Krankenhausgeländes zu treffen, solange die Schulfrage in Rechberghausen nicht gelöst sei.
Am 28. April 1978 wurde der Antrag auf Errichtung einer Realschule, unterschrieben von den vier Bürgermeistern des Gemeindeverwaltungsverbandes Östlicher Schurwald, dem Kultusministerium übergeben. Der Antrag wurde mit den im Vertrauen auf die Schulpolitik des Landes gemachten hohen Vorausinvestitionen, mit der vorhandenen Großsporthalle und den umfangreichen Freizeitsportstätten begründet. Weitere Argumente waren, dass trotz rückläufiger Schülerzahlen die Zweizügigkeit der Realschule gewährleistet sei und mit einer Realschule in Rechberghausen, insgesamt gesehen, für das Land die kostensparendste Einrichtung geschaffen werde. Am 16. Juni 1978 traf der langersehnte, positive Bescheid ein.

Realschulbau
Nach der Genehmigung dies Raumprogramms mit 930 qm entschied sich der Gemeinderat noch im November 1978, den Neubau in eigener Regie durchzuführen, weil eine Bauträgerschaft durch den Verband zunächst mehrheitlich nicht erreicht werden konnte. Am 1. September 1979 wurde der Realschulbetrieb mit dem Schuljahr 1979/80 aufgenommen. Die Bauarbeiten begannen wenige Tage später. Schon am 18. Juli 1980 konnte man das Richtfest feiern. Der gleichzeitige Umbau der Hauptschule in einigen Bereichen verlief parallel. Am 4. und 5. Juli 1981 wurde das von der Stuttgarter Architektengemeinschaft Brunnert, Mory, Osterwalder, Vielmo geschaffene Bauwerk mit Festveranstaltungen und Tagen der offenen Tür seiner Bestimmung übergeben. Das neue Bildungszentrum bedeutet für die Gemeinde und den Verband einen erheblichen Zugewinn ihrer Infra-Struktur. Am 18. Juni 1980 übernahm der Verwaltungsverband die Schulträgerschaft. Mit Beginn des Schuljahres 84/85 wird die Realschule 6 Jahrgänge haben und damit voll ausgebaut sein.
ges4Innenhof der 1979 bis 1981 erbauten Realschule